Kunstwand Penk 65

..… ein Leben lang …..

Kunstwand Penk 65 – Wandmalerei von Edith Sulzenbacher: Putten mit Kameras auf Wolken, Spielzeug, österreichische und griechische Flaggenbänder, das große Fenster
Die Kunstwand an der Fassade von Penk 65

Es ist weder ein Adelssitz noch ein historisches Bauwerk, sondern das Domizil von zwei jungen Menschen, die das Glück suchten, es hier fanden und blieben. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein und werden inzwischen ihr 65-jähriges Beisammensein feiern können.

Die Hauserbauer und Besitzer sind Stavros, „der Grieche", aus Kreta. Gretl, „die Patriotin", stammt aus Penk. Die rot-weiß-roten und die blau-weißen Bänder zeugen von der Herkunft und Verbindung der Besitzer. Die Kunstwand ist der Versuch, einen kurzen Blick hinter die Fassade zu gewähren.

Der Handel mit Spielwaren, den wir eher zufällig bei der Arbeitssuche entdeckt haben, ist für uns beide zu einer 37-jährigen Herzensangelegenheit geworden. Mit großem Einsatz und Ideenreichtum führten wir neue Trends und Spielformen ein. Puppen, Bären, Autos, Baumaschinen, Bastel-, Tafel- oder Freiluftspiele waren unsere täglichen Herausforderungen – immer zum Wohl der Kinder und angepasst an die regionalen Bedürfnisse.

Der Anfang war unsicher in einem der wirtschaftlich schwächsten Bezirke Österreichs. Doch bald entstand ein beliebter Kommunikations- und Sozialort, an dem Kinder und Erwachsene Hilfe und Beratung fanden.

Inzwischen sind wir in Pension, doch die Liebe zum Spielen bleibt ..… ein Leben lang …..

Das große Fenster ist ein zentrales Element. Dahinter steht das Stehpult, an dem ich mich seit über 53 Jahren täglich – mal zehn Minuten, mal acht Stunden – mit meinem Hobby beschäftigt habe. Ich habe dort gelesen, geschrieben, archiviert, gereinigt und kleine Reparaturen durchgeführt. All das ist eingebettet in drei Räume voller Tausender photografischer und kinotechnischer Sammlerstücke sowie einer der größten Fachbibliotheken und Archiv im deutschsprachigen Raum.

Ich habe als ahnungsloser Autodidakt Amateurfotograph begonnen und mich später zum Hobby-Photohistoriker entwickelt. Der Druck durch Geschäft, Bürokratie, Bankverbindlichkeiten und Hausbau war unerträglich. Den Ausgleich fand ich in meinem Hobby. Je mehr Druck ich verspürte, desto mehr beschäftigte ich mich mit meinem Hobby – deshalb der große Erfolg.

Die Erfolge stellen sich ein und man fühlt sich wie im siebten fotografischen Himmel. Dabei befindet man sich in guter Gesellschaft mit Putten, die seit der Antike als Inbegriff irdischer, spielerischer Lebensfreude gelten und hier meisterhaft dargestellt wurden. Die Kunstwand ist nach einem Gespräch mit der Künstlerin E. Sulzenbacher entstanden. Sie hat das Gesagte eindrucksvoll an die kahle Wand zum Leben erweckt.

In den Raunächten, der Zeit des Jahres, in der die Grenzen zwischen der menschlichen Welt und der Anderswelt als durchlässig gelten, geschieht hier etwas Mystisches und Wunderbares wenn die Photoapparate zu reden beginnen.

Sie sind so verschieden wie die Menschen: Sie waren ebenerdig, in der Luft oder unter Wasser. Sie erzählen von Geburten, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Dorffesten, Fernreisen, lustigen Gesellschaften und besinnlichen Zusammenkünften, von Kriegen, Frieden und Gefangenschaft.

Mit ihren großen Augen haben sie schon viel gesehen und erlebt: vom alten Doppeldecker bis zum modernen Jet. Sie haben unberührte Landschaften und touristische Traumziele gesehen, aber auch Zerstörung durch Bombenabwürfe. Bei Unterwasser-Expeditionen gab es ebenfalls viel zu sehen. Kameras zeigten wunderbare Unterwasserlandschaften, aber auch die eigenen Ängste, in ein Gehäuse eingesperrt zu sein, sowie die Furcht vor Wellengängen und dem Ertrinken.

Tausende Photo- und Kinokameras erzählen Tausende Geschichten – ein unbezahlbarer wertvoller historischer Schatz.

Ach.... Warum vergehen diese Raunächte nur so schnell?

Diese Räume sind ein Refugium, hier kann ich meinen Vogel frei fliegen lassen.

Das große Buch ohne bedruckte Seiten ist einerseits ein Hinweis auf unseren Wissensdurst, andererseits verweist es auf die umfangreiche Fachbibliothek.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß." — Sokrates

Provokant ist es ein Verweis auf Sokrates' Zitat. Damit demonstrierte Sokrates, dass er sich seines eigenen Nichtwissens bewusst war – im Gegensatz zu anderen, die meinen, alles zu wissen. Eine edle Haltung der intellektuellen Bescheidenheit.

Die Ignoranz und Überheblichkeit der Entscheidungsträger führen dazu, dass das Lebenswerk als nicht erhaltungswürdig betrachtet wird und als einzige Möglichkeit die Zerstörung bleibt.

Zur Erinnerung und in der Hoffnung, dass diese bescheidene Kunstwand länger erhalten bleibt, wagte ich diesen kleinen Kunstbeitrag für ..… ein Leben lang …..